Lippe
Aus kiefernorthopädischer Sicht:
- es kann längerfristig der Kieferknochen an einer Stelle abgebaut werden
- da Knochen auf Druckbelastung schwinden, kann es so zu Zahnlockerungen bis hin zum Zahnverlust kommen
- auch Zahnfüllungen und andere Rekonstruktionen können beschädigt werden
- durch ein Lippen-Piercing können Zähne verschoben und schief werden und sich Lücken zwischen den Zähnen ausbilden
- für die Schleimhaut stellt ein Lippen-Piercing teilweise auch eine Belastung dar, es können sich vermehrt schmerzhaft entzündete Stellen bilden
- auch mechanische Belastungen, Verletzungen und sogar eine Schädigung und Verlagerung des Zahnfleisches sind möglich
- die innen gelegene Konterplatte von Lippen-Piercingschmuck drückt bei ungünstiger Lokalisation bei jeder mimischen Bewegung auf das
Zahnfleisch (Zahnfleischrückgang) und den darunter liegenden sehr dünnen Alveolarknochen
Rat: kontinuierlicher Wechsel zwischen passgenauem Ring und Stecker und gute Mundhygiene.
Bei empfindlichem Zahnfleisch oder Zähnen ist vom Lippen- oder Lippenbändchen-Piercing ganz
abzuraten. Das gleiche gilt bei Trägern/innen von Zahnspangen.
Lippenbändchen-Piercing
Neben der erhöhten Gefahr des "Hinauswachsens“ und des "Ausreißens“ = siehe: Lippen-Piercing.
Nasen-Piercing (Septum)
Extrem empfindlich: die knorpelige Nasenscheidewand. Hier können Piercings zu schwerwiegendsten Beeinträchtigungen führen. Weiterhin ist auf die richtige Positionierung des Septum-Piercings zu achten: Es ist im Bereich der knorpelfreien Wölbung des Nasenflügels anzusiedeln, eine höhere Position führt im Falle einer Entzündung zur Schädigung des knorpeligen Nasenskeletts.
Nasen-Piercing (Shoot)
Beim unsachgemäßen Nasenflügel-Piercing können Ausläufer des Trigeminusnervs getroffen. Die Folge ist eine Gesichtslähmung.
In den Nasenflügel gehören keinesfalls normale Ohrstecker mit Verschluss, da sich Schmutz und Bakterien hinter den Verschlüssen ansiedeln können.
Die auf die Verletzung folgende Schwellung würde durch den Verschluss zusätzlich Probleme hervorrufen.
Bei zu schmalen und kleinen Nasen verursachen lange Stifte eine ständige Reizung der gegenüberliegenden Nasenscheidewand.
Wird der Nasen-Stecker während der Abheilphase entfernt, verschließt sich der Stichkanal oft innerhalb von Stunden sofort wieder.
siehe auch Kapitel Kälte FAQ
Ohr-Piercing, Knorpel
Auf keinen Fall dürfen Ohr-Piercings im Knorpelbereich mit einer Ohrlochpistole ausgeführt werden, da sonst der Knorpel „zerschmettert“ wird und gar nicht oder nur sehr schwierig verheilt.
Der Heilungsprozess ist sehr viel langwieriger, als beim Ohrläppchen-Piercing. Das hängt mit den unterschiedlichen Gewebearten zusammen.
Beim Ohrknorpel-Piercing kommt noch hinzu, dass der Druck, der durch „auf-dem-Ohr-liegen“, langes Telefonieren, oder das Tragen eines Helms/Kopfhörers auf das Ohr ausgeübt wird, den Heilprozess verlängert.
(siehe auch Kapitel Kälte)
Ohrläppchen-Piercing
Am Ohrläppchen wird problemlos mit der Ohrlochpistole gearbeitet.
Schwierig nur für Personen, die aus beruflichen Gründen einen Helm tragen müssen, ständig Motorrad fahren oder eine Tätigkeit ausüben, bei der ständig Druck auf die Piercingstelle ausgeübt wird (telefonieren).
Auch hier erschweren konstante, mechanische Reizungen das reibungslose Abheilen.
(siehe auch Kapitel Kälte)
Oberflächenpiercing
Diese Piercings werden nicht in hervorstehenden Hautpartien oder Knorpelfalten platziert, sondern an der Hautoberfläche.
Mögliche Folge:
Der Schmuck übt ständig Druck auf die frische Wunde aus, beginnt zu wandern und wächst mit der Zeit herraus.
Durch die „künstliche“ Schaffung einer Hautfalte beim Piercen wird auch nach der Abheilzeit die Haut, an den Ein- und Austrittstellen extrem gespannt und dadurch strapaziert, was nicht bei jedem Körper problemlos verläuft.
Zu Oberflächenpiercings zählen z. B.:
• Augenbraue
• Nacken
• Nasenwurzel
• Halsbereich
• Hand
Man kann keinerlei Gewährleistung geben, ob das Piercing einwandfrei abheilt und man den Schmuck lange tragen kann.
Wer wirklich so ein Piercing haben möchte muss, damit rechnen, dass es ein temporäres Vergnügen ist, bei dem am Ende eine hässliche Narbe übrig bleiben kann.
Die allgemeine Abheilzeit liegt bei mindestens acht bis zehn Wochen.
Für den Ersteinsatz kann man, je nach Stelle, PTFE/Teflon (flexibler Plastikstab) verwenden, der
durch sein geringeres Eigengewicht und seine Flexibilität die Gefahr des Hinauswachsens verringert,
Zungen-Piercing
Das Zungen-Piercing kann bei falscher Platzierung und/oder unsachgemäßer Ausführung neben einem unangenehmen Gefühl und einer Störung des Kauens und des Sprechens relativ vielfältige Risiken in sich bergen. Durch das Einstechen können Blutgefäße und Nerven in Mitleidenschaft gezogen werden, in seltenen Fällen sogar bis hin zu einer dauerhaften Sensibilitätsstörung.
Entzündungen treten an der Einstichstelle nicht selten auf. Zähne können mechanisch geschädigt werden, es entstehen möglicherweise Risse im Zahnschmelz und im Dentin (Zahnbein).
Ein Zungen-Piercing verursacht zunächst, bedingt durch die starke Durchblutung, eine erhebliche Schwellung der Zunge.
Ist die Einstichstelle falsch gewählt, kann es zu einem Blutstau kommen und Erstickungsgefahr droht. Bei einer umfassenden Nervenschädigung kann sogar eine Lähmung eintreten. Bei unzureichender Mundhygiene ist die Gefahr einer Infektion besonders groß.
Durch spielerisches Kauen auf dem Schmuckstück kann es zu einer Abschabung der Zähne kommen. Füllungen und Zahnersatz können geschädigt werden. Die Kugel des Piercingschmucks führt relativ häufig zu Traumatisierung des so genannten Zahnhöckers, was zu Zahnfrakturen und Absterben des Zahnmarks führen kann.
Die Zunge ist das Organ, welches das Schmecken ermöglicht. Unter dem Geschmackssinn (auch Gustatorik oder Schmecken) versteht man die chemischen Sinnesreize, durch die ein großer Teil des Sinneseindrucks Geschmack vermittelt wird. Es wird die Geschmacksqualität süß, sauer, bitter, salzig unterschieden. Die Geschmacksknospen, die für die einzelnen Geschmacksrichtungen „zuständig“ sind, sind relativ gleichmäßig über den oberen Randbereich der Zunge verteilt. Sie dienen der Beurteilung mechanischer Eigenschaften der aufgenommenen Lebensmittel.
Der Mensch verfügt über etwa 2.000 Papillen (Geschmacksknospen), die jeweils fünf bis zu zehn weitere Geschmacksknospen tragen. Diese wiederum enthalten 40-60 Sinneszellen. Auch der weiche Gaumen, Bereiche der hinteren Gaumenwand sowie Teile des Kehlkopfs besitzen eine gewisse Geschmacksempfindlichkeit (siehe Abb.).
Entgegen vieler Befürchtungen ist es nicht möglich, beim Durchstechen der Zunge die Geschmacksnerven zu zerstören. In der Mitte der Zunge befinden sich kaum Papillen. Verletzt man beim Piercen einige Geschmacksnerven, wirkt sich dies nicht auf das Geschmacksempfinden aus, weil wir, wie oben beschrieben, noch über 100.000 andere Geschmacksnerven besitzen.
Der Mensch unterscheidet folgende Grundqualitäten des Geschmacks:
1. süß- ausgelöst durch Kohlenhydrate oder Süßstoffe
2. salzig- ausgelöst durch mineralische Verbindungen, wie Speisesalz
3. sauer- ausgelöst durch niedrige PH-Werte, wie Säuren
4. bitter- ausgelöst durch Bitterstoffe
Eine wesentliche Rolle für die komplexe Geschmackswahrnehmung spielt ebenfalls der Geruchssinn, der für alle weiteren Geschmackseindrücke verantwortlich ist. Deutlich wird dies bei schweren Erkältungen, wenn man mit verstopfter Nase keine Geschmackseindrücke jenseits der Grundkategorien mehr wahrnimmt.